Kompressionsstrümpfe bei unruhigen Beinen - können sie helfen?

Kompressionsstrümpfe bei unruhigen Beinen - können sie helfen?

Kompressionsstrümpfe bei unruhigen Beinen - können sie helfen?

Unruhige Beine können sich sehr unterschiedlich anfühlen. Manche Menschen beschreiben ein Kribbeln, Ziehen, Spannen oder andere unangenehme Empfindungen in den Beinen. Häufig treten die Beschwerden vor allem in Ruhe sowie am Abend oder in der Nacht auf und gehen mit einem starken Bewegungsdrang einher.

Viele Betroffene fragen sich, ob Stützstrümpfe oder medizinische Kompressionsstrümpfe bei unruhigen Beinen helfen können. Die Antwort hängt davon ab, wodurch die Beschwerden verursacht werden. Kompressionsstrümpfe sind keine allgemeine Behandlung des Restless-Legs-Syndroms. Sie können jedoch bei Beschwerden sinnvoll sein, die mit Schwellungen, schweren oder müden Beinen oder einer Belastung durch langes Sitzen oder Stehen zusammenhängen.


Was bedeutet das Restless-Legs-Syndrom?

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS), auch als Syndrom der unruhigen Beine bezeichnet, ist eine neurologische Erkrankung. Typisch sind unangenehme Empfindungen in den Beinen und ein ausgeprägter Bewegungsdrang. Die Beschwerden treten überwiegend in Ruhe auf, verstärken sich häufig am Abend oder in der Nacht und bessern sich durch Bewegung.

Die Beschwerden können den Alltag und insbesondere den Schlaf beeinträchtigen. Für die Diagnose ist es wichtig, andere Erkrankungen oder Beschwerden mit ähnlichen Symptomen abzugrenzen.

Das Universitätsspital Zürich beschreibt das Restless-Legs-Syndrom als chronische neurologische Erkrankung mit unangenehmem Bewegungsdrang und typischen Missempfindungen, die vor allem in Ruhe sowie abends und nachts auftreten. Universitätsspital Zürich - Restless-Legs-Syndrom

Auch das Inselspital Bern weist darauf hin, dass eine sorgfältige Abklärung und die Berücksichtigung anderer möglicher Ursachen oder ähnlicher Beschwerden wichtig sind. Inselspital Bern - Restless-Legs-Syndrom


Können Kompressionsstrümpfe bei unruhigen Beinen helfen?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Medizinische Kompressionsstrümpfe üben einen definierten Druck auf das Bein aus. Dadurch wird der venöse Rückfluss unterstützt und die Neigung zu Schwellungen kann reduziert werden.

Wenn sich die Beine beispielsweise nach langem Sitzen oder Stehen schwer, müde oder geschwollen anfühlen, kann eine Kompression eine sinnvolle Unterstützung sein. Solche Beschwerden sind jedoch nicht automatisch mit einem Restless-Legs-Syndrom gleichzusetzen.

Bei echten RLS-Beschwerden stehen dagegen typische Merkmale wie Beschwerden in Ruhe, ein ausgeprägter Bewegungsdrang und eine Besserung durch Bewegung im Vordergrund.

Das Universitätsspital Zürich beschreibt Kompressionsstrümpfe unter anderem als Bestandteil der Behandlung venöser Beschwerden. Bei Krampfadern kann die Kompression den Blutfluss unterstützen und den Pumpeffekt der Beinmuskulatur fördern. Universitätsspital Zürich - Therapie von Krampfadern


Was sagen wissenschaftliche Untersuchungen?

Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die einen möglichen Nutzen von Kompression bei Beschwerden des Restless-Legs-Syndroms untersucht haben. Dabei ist jedoch wichtig, zwischen verschiedenen Formen der Kompression zu unterscheiden.

Eine randomisierte, doppelblinde und kontrollierte Studie untersuchte bei 35 Personen mit Restless-Legs-Syndrom eine pneumatische Kompression. Nach einem Monat verbesserten sich die RLS-Symptome sowie mehrere Bereiche der Lebensqualität stärker als bei der Scheinbehandlung.

Diese Ergebnisse sind interessant, beziehen sich jedoch auf ein spezielles pneumatisches Kompressionsgerät und lassen sich deshalb nicht direkt auf gewöhnliche medizinische Kompressionsstrümpfe übertragen.

Studie: Pneumatic compression devices and restless legs syndrome - PubMed

Auch eine systematische Übersichtsarbeit zu nicht medikamentösen Behandlungen des Restless-Legs-Syndroms fand Hinweise darauf, dass Kompressionsverfahren die Stärke der RLS-Symptome beeinflussen können. Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Datenlage für verschiedene nicht medikamentöse Verfahren unterschiedlich umfangreich.

Systematische Übersichtsarbeit: Non-pharmacological interventions for restless legs syndrome - PubMed

Eine weitere randomisierte Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte den Einsatz von Kompressionsstrümpfen bei 63 schwangeren Frauen mit Restless-Legs-Syndrom. In dieser speziellen Gruppe waren die RLS-Beschwerden nach drei Wochen in der Gruppe mit Kompressionsstrümpfen stärker reduziert als in der Vergleichsgruppe. Die Ergebnisse beziehen sich jedoch auf schwangere Frauen und können nicht ohne Weiteres auf alle Menschen mit RLS übertragen werden.

Studie: The effect of compression stockings on restless legs syndrome in pregnant women - PubMed


Unruhige Beine sind nicht immer Restless Legs

Ein unangenehmes Gefühl in den Beinen kann verschiedene Ursachen haben. Schwere, müde oder geschwollene Beine nach einem langen Arbeitstag, einer langen Reise oder vielen Stunden im Sitzen oder Stehen sind nicht automatisch ein Zeichen für ein Restless-Legs-Syndrom.

Bei venösen Beschwerden können Kompressionsstrümpfe eine andere Funktion haben. Sie unterstützen den venösen Rücktransport und können dazu beitragen, Schwellungen und Schweregefühl der Beine zu reduzieren.

Das Universitätsspital Zürich beschreibt Kompressionsstrümpfe als eine wichtige Massnahme bei verschiedenen venösen Erkrankungen. Bei Krampfadern können sie insbesondere bei Belastungssituationen zur Linderung von Beschwerden eingesetzt werden.

Weitere Informationen: Universitätsspital Zürich - Krampfaderleiden


Wann können Kompressionsstrümpfe sinnvoll sein?

  • Die Beine fühlen sich im Laufe des Tages schwer oder müde an.
  • Es kommt zu leichten Schwellungen der Beine.
  • Der Alltag besteht aus langem Sitzen oder Stehen.
  • Nach langen Reisen fühlen sich die Beine belastet oder geschwollen an.
  • Es bestehen Krampfadern oder andere venöse Beschwerden.
  • Während der Schwangerschaft treten Schweregefühl oder Schwellungen der Beine auf.

In solchen Situationen kann eine passende Kompression dazu beitragen, die Beine während des Tages zu unterstützen. Welche Kompressionsstärke geeignet ist, hängt von der jeweiligen Situation ab.


Kompressionsstrümpfe am Tag, unruhige Beine oft am Abend

Medizinische Kompressionsstrümpfe werden üblicherweise während des Tages getragen, wenn die Beine belastet werden oder sich der Körper in aufrechter Position befindet.

Beim Restless-Legs-Syndrom treten die Beschwerden dagegen typischerweise in Ruhe und besonders am Abend oder in der Nacht auf. Der Bewegungsdrang ist ein wichtiges Merkmal des Syndroms.

Deshalb sollten Kompressionsstrümpfe nicht als automatische Lösung für alle Beschwerden mit unruhigen Beinen betrachtet werden. Wenn die Beschwerden vor allem in Ruhe auftreten, einen starken Bewegungsdrang verursachen und den Schlaf beeinträchtigen, sollte auch an ein Restless-Legs-Syndrom gedacht und die Ursache gegebenenfalls ärztlich abgeklärt werden.


Was kann bei unruhigen Beinen noch helfen?

Bei Beschwerden des Restless-Legs-Syndroms können je nach Situation verschiedene Massnahmen ausprobiert werden. Dazu gehören regelmässige körperliche Aktivität, ausreichender Schlaf, Dehnübungen und eine Massage der Beine. Auch warme oder kühle Anwendungen können von manchen Betroffenen als angenehm empfunden werden.

Bei häufigen oder starken Beschwerden ist es sinnvoll, die Ursache medizinisch abklären zu lassen. Insbesondere wenn die Beschwerden den Schlaf deutlich beeinträchtigen, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Weitere Informationen zu Symptomen und Behandlung: Universitätsspital Zürich - Restless-Legs-Syndrom


Welche Kompressionsklasse ist geeignet?

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind in unterschiedlichen Kompressionsklassen erhältlich. Die Wahl der passenden Klasse sollte sich nach dem Verwendungszweck und der individuellen Situation richten.

Kompressionsklasse 1 (18-21 mmHg) bietet eine leichtere medizinische Kompression und kann beispielsweise bei schweren oder müden Beinen und leichteren Schwellungen eingesetzt werden.

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Kompressionsklasse 2 (23-32 mmHg) bietet eine stärkere medizinische Kompression. Sie wird unter anderem bei ausgeprägteren venösen Beschwerden eingesetzt und sollte je nach Situation nach ärztlicher Empfehlung ausgewählt werden.

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Wenn eine längere Strumpfform gewünscht ist, stehen auch medizinische Oberschenkel-Kompressionsstrümpfe zur Verfügung.

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Fazit

Kompressionsstrümpfe sind keine allgemein anerkannte Behandlung des Restless-Legs-Syndroms. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch verschiedene Formen der Kompression untersucht und dabei teilweise eine Verbesserung der RLS-Beschwerden beobachtet.

Die bisherigen Ergebnisse reichen nicht aus, um daraus eine allgemeine Empfehlung für medizinische Kompressionsstrümpfe bei Restless Legs abzuleiten. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen speziellen Kompressionsgeräten, die in Studien untersucht wurden, und herkömmlichen medizinischen Kompressionsstrümpfen.

Wenn unruhige Beine gleichzeitig mit Schweregefühl, Müdigkeit oder Schwellungen auftreten, kann eine passende Kompression unabhängig vom RLS-Thema sinnvoll sein. Bei typischen RLS-Beschwerden mit Bewegungsdrang in Ruhe und einer deutlichen Verschlechterung am Abend oder in der Nacht ist dagegen eine medizinische Abklärung sinnvoll.

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